So war’s: Vizthink Berlin #37 – Visuelle Strukturen

Geschrieben von der tollen Maria Steinberg (Vielen Dank!!! – Schaut auf Ihren Blog: du-bist-grossartig.de):

Seit ich mich mit dem Thema Sketchnoting beschäftige ist mir immer mal wieder der Begriff VIZthink begegnet. Gestern Abend hatte ich endlich die Gelegenheit ein VIZthink Meetup zu besuchen. Eigentlich hatte ich mich bei diesem Meetup darauf gefreut an meinen Sketchnote Fähigkeiten zu feilen, doch es sollte anders kommen als geplant. Die erste Überraschung war die Teilnehmeranzahl. Ich glaube das war das erste Meetup, bei dem Jeder erschienen ist, der sich angemeldet hat und noch mehr, damit wurde es in dem Raum in dem wir waren wirklich kuschelig. Minuten später folgte die zweite Überraschung des Abends, denn plötzlich ertönte die Frage:

„Ist ein Blogger hier, der über die Veranstaltung bloggen kann?“

Ich wünsche mir einen Blogger.

Getreu nach Richard Bransons Motto „The Answer ist yes, now what was the question?“ wanderte mein reflexartig Arm nach oben. (Okay, vorher hatte ich wahrgenommen, dass es offensichtlich keine anderen freiwilligen Blogger gab.) Mit dieser Frage hatte sich mein Sketchnote Vorhaben für den Abend erledigt, aber wer kann Nadine schon einen Wunsch ausschlagen? Es scheint so, als ob ich dazu nicht in der Lage bin…

Die nächsten zwei Stunden war ich also fleißig am Tippen und nicht am Zeichnen. Diese Blogbeitrag ist also eine „Live Blogging Premiere“.

Warm Up Übung: Zeig uns wie es in deinem Kopf aussieht?

Wer steht bei VIZthink auf der Bühne?

So wird aus Chaos Struktur.

Neben Nadine Roßa und Benjamin Felis, die bei den meisten VIZthink Meetups anwesend sind, war dieses Mal Nina Neef der Stargast des Abends. Nina ist Fachfrau für Sketchnote Strukturen und genau um die ging es gestern Abend. Nina Neef ist dank Marketing zum Visualisieren gekommen. Ursprünglich hat sie mit Visualisierungen nur verhindern wollen, dass die eigenen Studenten in den Vorlesungen einschlafen. Heute ist sie glückliche Live Recorderin und zeigt Menschen, wie mir wie Storytelling mittels Visualisierung funktioniert.

Nina Neef erklärt ihre Recherchen

Inspiriert von dem unglaublich großartigen Hirnforscher Gerald Hüther hat Nina sich vor Kurzem auf die Suche nach ihrem WOW gemacht. Auf der Suche nach ihrem WOW hat sie herausgefunden, dass Sketchnoter Probleme mit Strukturen haben. Das hat Nina dazu motiviert 16 Strukturen für Sketchnotes zu identifizieren, die sie dankbarer Weise und auf dem ihrem Instagram Account https://www.instagram.com/nina.neef/ teilt.

Grenze
barrierefreie Kommunikation

Nina hat dank ihrer Suche nach ihrem WOW gelernt, dass ihr das Engagement für eine ganz besondere Zielgruppe wichtig ist. Daher engagiert sie sich mit ihrer Seite www.leichte-bildsprache.de für alle Menschen, die barrierefreie Kommunikation fördern wollen. Menschen, wie der großartige Janis Geiger, der seine Taubheit nicht als Barriere sieht und stattdessen Menschen zeigt, wie sie ihre eigenen Barrieren überwinden können.

Nadines magische Gesetze des Sketchnotings

Neben Nina stand gestern auch die großartige Nadine Rossa auf der Bühne. Als Sketchnoteprofi weiß Nadine, dass nicht nur die Struktur der Sketchnote Seite wichtig ist, sondern auch die Struktur innerhalb der einzelnen Sketches, aus denen sich die Sketchnote zusammensetzt. Um diese Struktur im Kleinen zu bewältigen hat Nadine ein paar magische Gesetze, die Sie auf dem gestrigen Meetup mit den Teilnehmern teilte.

Sketchnotes und Gestaltgesetze

Das Gesetz der Prägnanz

Prägnanz: Unser Hirn sieht eine Murmel und ein spitzes Dreieck

Das Gesetz der Prägnanz besagt, dass unser energiesparwunder Gehirn ehr faul ist und komplexe Formen in einfache Formen zerlegt. Zudem fällt dem Gehirn sofort auf, wenn sich ein Objekt von den anderen Objekten in einem Bild unterscheidet.

Das Gesetz der Ähnlichkeit

Das Gesetz der Ähnlichkeit besagt, dass das Hirn ähnliche Objekte als eine Einheit wahrnimmt. Daher erkennen wir Vierecke untereinander automatisch als Checkboxen auf einer Checkliste.

Das Gesetz der Nähe

Nähe: Der Superheld hat was mit dem Drachen zu tun.

Das Gesetz der Nähe besagt, dass Objekte die beieinander sind, inhaltlich zusammengehören.

Das Gesetz der Symmetrie

Das Gesetz der Symmetrie besagt, dass das Auge Objekte mag, die in einem symmetrischen Muster geordnet sind, sie geben dem Gehirn Struktur.

Das Gesetz der Geschlossenheit

Das Gesetz der Geschlossenheit besagt, dass Dinge, die nicht geschlossen sind, vom Gehirn automatisch vervollständigt werden. Also kannst Du in Deinen Sketches Mut zur Lücke walten lassen.

Gesetz der gemeinsamen Bewegung / des gemeinsamen Schicksals

Gemeinsames Schicksal: Die zwei mit dem Kinderwagen gehören zusammen.

Gesetz der gemeinsamen Bewegung  besagt, dass Elemente, die sich in die gleiche Richtung bewegen eine Einheit sind. Wir sehen sofort, wenn sich Strichmännchen in unterschiedliche Richtungen bewegen.

Das Gesetzt der Kontinuität

Das Gesetzt der Kontinuität besagt, dass das Gehirn sich immer den einfachsten Weg sucht. Das Gehirn ist in der Lage aus einigen Strichen die aufeinander folgen eine Strichlinie zu erkennen. Optischen Kreuzungen zwischen zwei Linien folgt das Gehirn nicht so gern, es mag lieber geradeaus oder im Flow laufen, es biegt nicht einfach rechts oder links ab.

Das Gesetz der Verbundenheit

Das Gesetz der Verbundenheit besagt, dass verbundene Formen eine Einheit sind. Unabhängige Formen können einfach durch Linien verbunden werden.

Struktur in der Praxis

Nach so viel theoretischem Input gab es zu meiner großen Freude eine kleine Praxisübung, an der ich mich als vorbildliche Bloggerin nicht beteilige, sondern in die Beobachterrolle schlüpfe. Geübt wie sie sind teilten Nadine, Nina und Benjamin die mehr als 30 Leute im Raum in 3 Gruppen und 3 Räume auf.

Nach welchem System lassen sich die Dinge sortieren?

Plötzlich standen in meinem Raum mehr als 10 Erwachsene um ein auf dem Boden klebendes Viereck und sortieren Plastikgabel, bunte Plastikfrösche, eine Puppe, einige Sektkorken und co. nach einem ansprechenden System. Es erforderte in diesem Moment einiges an Disziplin nicht laut auszurufen, dass alle die gern aufräumen, das auch gern mal bei mir daheim machen könnten. Doch zum Glück konnte ich mich zusammenreißen.

Hmm, eine Tüte voll Müll…

Obwohl ich die ganze Zeit tippte erlebte ich binnen wenigen Minuten mindestens 5 verschiedene aufgeräumte Strukturen die aus wild zusammengewürfelten Objekten entstanden, die ich noch vor 5 Minuten bestenfalls für Müll gehalten hätte. Plötzlich erwischte ich mich bei dem Gedanken: „Vielleicht muss ich einfach öfter aufräumen und bekomme so langfristig auch besser strukturierte Sketchnotes.“ Doch dann verwarf ich den Gedanken gleich wieder. Ich bin 36 Jahre ohne Ordnung ausgekommen und ich mag viel in meinem Leben ausprobieren, aber ein paar Dinge sollten sich einfach nicht verändern.

Wenn Du jetzt eine unbändige Lust zum Aufräumen verspürst, hat Nina noch einen ganz besonderen Tipp für Dich: Die #TrashtagChallenge. Bei dieser kannst Du Dich auf Twitter und co. selber taggen, wenn Du irgendwo etwas aufräumen. Dazu fotografierst Du erst das von Dir entdeckte Chaos. Im zweiten Schritt räumst Du auf und danach fotografierst Du Dir von Dir erschaffene Ordnung.

Wo und wann finden die VIZthink Meetups statt?

Ein Meetup alle 2 Monate

Die VIZthink Meetups in Berlin finden alle 2 Monate statt. Zur großen Freude aller Besucher sind die Meetups kostenlos, weil Unternehmen wie die Joblinge ihre Räume für das Meetup kostenlos zur Verfügung stellen. Wenn Du also eine Location hast und gern mal ein VIZthink Meetup hosten möchtest, freut sich Nadine sehr wenn Du Kontakt zu ihr aufnimmst.

Dieses Mal haben die fantastischen Joblinge ihre Räume für das Meetup zur Verfügung gestellt. Die Joblinge sind eine gemeinnützige Organisation, die Jugendliche mit Bewerbungsherausforderungen unterstützen eine großartige Ausbildung zu finden.

Das nächste Berliner Meetup findet übrigens am 29.04.2020 statt. Ach ja und noch ein heißer Tipp: Auf dem Meetup gibt es in Zukunft eine Stifte Sammelstellte. Hier kannst Du Stifte die Du nicht brauchst mitbringen und gern gegen Stifte eintauschen, die Dir besser gefallen.

Ein ganz besonderes Danke geht nun noch an Benjamin Felis, der in diesem Text bis jetzt nicht aufgetaucht ist, wie er am Rande damit beschäftigt war die Aussagen der Teilnehmer in eine großartige Live Sketchnote zu verwandeln.

Ben Felis zeigt die festgehaltenen Ergebnisse

Fazit

Eine VIZthink Veranstaltung ist ein fantastischer Abend, bei dem Du nicht nur viel Input zu einem spannenden Sketchnote Thema bekommst, sondern auch noch die Gelegenheit bekommst mit den Teilnehmern der Veranstaltung zu Networken. Ich für meinen Teil hatte nicht damit gerechnet, dass ich dort so viele professionelle Sketchnoter treffen würde und nehme mir bei meinem nächsten Besuch für das Networken definitiv mehr Zeit.

benjamin

Veröffentlicht von

www.benjaminfelis.de

Hi, ich bin Ben: Ein Vollzeit Graphic Recorder & Illustrator seit 2013. Ich bin Trainer, Berater und ehemaliger Graffiti-Künstler mit Ausbildungen in Graphic Recording, Visual Facilitation, Visual Presencing (Theory U), Storytelling, Business Model Canvas, Coaching und Organisationsentwicklung. Ursprünglich komme ich aus dem Beratungskontext und habe eine langjährige Workshop- und Moderationserfahrung in einer Vielzahl von Branchen und Positionen. ​Mittlerweile habe ich 150 Graphic Recordings weltweit hinter mir und ca. 400m Papier bemalt. Dazu kommen noch unzählige digitale Aufträge. Du findest mich auf Facebook, Instagram & Twitter (@benjaminfelis), Youtube und Linkedin. Lass uns vernetzen!

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