So war’s: Vizthink Berlin # 11 meets Skizzenspaziergang

18454846836_c564d2df9b_oWas für ein Abend! Es fing stürmisch an und die vizthink Schilder, Poster, Karten und Materialien für unseren Spaziergang auf den Tischen vor dem Betahaus wollten gleich fliegen lernen. Aber der Wind pustete nur die letzten Wolken weg und die Sonne setzte sich letzten Endes durch, um uns freundlich und  durchgehend durch den Kiez zu begleiten.

Nach einer kurzen

Vorstellung unseres Gasts Doro Petersen ging es dann auch gleich los mitsamt unserem Skizzengepäck.

18293520150_c47c9daa99_oZuerst ging es ins Grüne Ende des Oranienplatzes. Wir malten uns warm, indem wir uns gegenseitig wie beim Speeddating skizzierten und kennenlernten. Dabei sollten wir uns auch noch ausfragen: was wir machen, unser Lieblingsessen, Hobbies, was auch immer. Augen auf, Mund auf, Ohren auf und dann auch noch den Stift auf’s Papier. Gar nicht so einfach, aber definitiv sehr spassig!

Und gleich ging es weiter Richtung pulsierende, verkehrsreiche Oranienstrasse. Nachdem wir auch liegen gebliebene Taschen und verloren geglaubte Teilnehmer wieder eingesammelt hatten, kam gleich die nächste Aufgabe: die Oranienstrasse Richtung Adalbertstrasse langlaufen, uns hauptsächlich auf die Geräusche konzentrieren und dann skizzieren, was wir hören.  Oje, das war gleich noch mal eine Stufe schwieriger! Natürlich ist um diese schöne Abendstunde und bei dem Wetter auch gut was los. Dominant waren wohl die Autos mit ihrem Hupen, Biepen und quietschenden Reifen.18295013139_b61831771e_oAber auch Gesprächsfetzen der Menschen an den Cafétischen, vorüber ziehende Fussgänger und die typische Kreuzberger „Schnodder Schnute“ gab’s in Hülle und Fülle. Dann waren da noch klapperndes Geschirr, Klingeln, Geräusche der vorbeilaufenden Menschen und irgendwann auch mal ein Flugzeug über uns. Aber das witzigste auf der Strecke war wohl ziemlich eindeutig der nörgelnde Fahrrad Punk, der uns auf dem Fussweg (!) aus dem Weg schuschte, gefolgt von Hund und Kumpel, dem das unorthodoxe Meckern seines Freundes sichtlich peinlich war. Wir hatten gut zu lachen, und mussten aufpassen, nicht das zeichnen zu vergessen. Aber es ging ja schon zur nächsten Aufgabe: das Wild at Heart Schaufenster war ganz genau anzusehen. Jedes Detail sollten wir uns merken – ohne Foto, ohne Skizze.

Dann ein schneller Wechsel zur anderen Strassenseite und wir konzentrierten uns auf Gerüche und Geschmackssinn (was einige von uns in Versuchung brachte, den Gästen in den Restaurants was vom Teller zu stibitzen).  Na, und auch da fehlt es ja bekanntlich in diesem Kiez nicht an Eindrücken.17858505834_707cdb98b2_o Von Pommes über Döner zu Wasserpfeifen, alten Kippen am Strassenrand, noch brennende Glimmstengel im Mund ihrer Käufer oder Kaffee. Wow, ganz schön faszinierend, das mal zeichnend aufzunehmen. Jedenfalls verursachten wir in unserem Pulk mit Klemmbrettern, Stiften und schnuppernden Augenaufschlägen viel Neugier unter den Passanten. Auch eine Form, mit unseren Mitmenschen ins Gespräch zu kommen, dachte ich mir. Plötzlich sind alle freundlich, fragen interessiert, was wir da machen, bleiben stehen, um uns über die Schulter zu blicken und erklären uns eifrig, was sie essen, trinken, rauchen, tun…

Wieder am Oranienplatz angekommen, setzten wir uns wie die Hühner auf der Stange auf die Mauer im kleinen Pärkchen und kamen zum „Abschlussbonbon“ des Abends: jeder zeichnete den Umriss des von Efeu umrankten Schaufensters aus der Oranienstrasse in sein umrankt in sein Skizzenbuch und gab es dann an den linken Nachbarn weiter. 18476803572_ec836cf78c_oDann fingen wir an, uns Person nach Person an die Details des Schaufensters zu erinnern, malten alle dasselbe Detail in x Variationen in ein fremdes Skizzenbuch, gaben es weiter, malten alle das nächste Detail in ein weiteres Buch, usw. Inzwischen hatten wir auch noch ein von uns fasziniertes Kind sowie einen türkischen Opa mit Krückstock in unseren Bann gezogen. Es hat (offensichtlich nicht nur uns) sooooooo viel Spass gemacht! Und wer’s verpasst hat, hat selber Schuld, darf aber hier noch Fotos gucken.

Zum Abschluss konnten wir ähnlich den Glückskeks Botschaften kleine Zettel ziehen: darauf Zitate und Nachdenkliches zur Kunst, zum Zeichnen sowie zum “zu Fuß unterwegs sein”.17858215574_84b1b99620_oUm es mit Goethe und Paul Klee zu sagen:  „Nur wo du zu Fuß warst, bist du auch wirklich gewesen“ und „Zeichnen ist die Kunst, Striche spazieren zu führen”. Bei Bier und Limo im Betahaus und gegenseitigem Skizzenbuch-zeigen ließen wir den Abend vergnügt ausklingen.

Danke, liebe Doro, für einen unvergesslichen Kiez Spaziergang. Du hast sicher nicht nur mich (Wiebke) inspiriert, die ungeduldige Schwester der Zeichnung, wie du das Skizzieren so schön genannt hast, des öfteren mal an/in die Hand zu nehmen.

Und wer noch nicht genug von Doro hat, kann sie auch besuchen, die von ihr illustrierten Bücher kaufen oder gleich einen ganzen Workshop bei ihr machen. Am 20. Juni 2015 gibt es auch zwei Lesungen zum Buch „Marcovaldo oder die Jahreszeiten in der Stadt“ von Italo Calvino, welches Doro illustriert hat. Die Buchpräsentationen findet im Rahmen der Friedenauer Lesenacht in einem Garten statt, erleuchtet und begleitet von Diaprojektionen.

Vizthink Berlin trifft sich wieder in 2 Monaten am Mittwoch, dem 5. August. Wo und mit welchem Thema geben wir noch beizeiten bekannt. Wer uns einladen mag oder einen Input organisieren möchte, ist natürlich herzlich willkommen – für den nächsten oder auch für später stattfindende Meetups. Auch Freiwillige, die helfen wollen bei Vorbereitung (bloggen, posten, Gäste einladen / koordinieren, Raumsuche, etc.), Durchführung (Fotografieren, Notizen für Blog, Raumgestaltung) und Follow-up (Blogpost, Fotos hochladen, etc.) sind herzlichst eingeladen, sich bei uns zu melden.

Herzlichst,
Euer Team Berlin Ben, Naho und Wiebke

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